Jugendtheatergruppe des Theater Meißen
unter der Leitung und Regie von Moutlak Osman


 

von Lutz Hübner

Dem allgegenwärtigen Casting-Wahn ist die aktuelle Produktion „Creeps“ der Jugendtheatergruppe des Theater Meißen gewidmet.

Für das Deutsche Schauspielhaus Hamburg schrieb Lutz Hübner vor vier Jahren das Jugendstück Creeps, einen starken Schocker über die demagogisch auch nach innen wirkende, fiktionale Fernsehrealität und den Missbrauch von Illusionen und der Identitätssuche junger, realer Menschen. Petra, Maren und Lilly, ausgestattet mit allen modischen Insignien der aktuellen Jugendkultur und aus verschiedenen sozialen und geographischen Zusammenhängen stammend, machen sich Hoffnungen auf einen sehr gut bezahlten Job als Moderatorin des neuen Lifestyle-Musik-Magazins "Creeps". Herausgefischt aus einer Masse Bewerberinnen sollen sie in einem privaten Hamburger TV-Studio in einem alles entscheidenden Test vor laufender Kamera ihre Qualitäten beweisen. Die drei Backfische zappeln im übermächtigen Netz des Menschenversuchs eines Regisseurs, dessen Stimme nur aus dem Off zu hören ist. Sie gebeb alles, schnappen nach Luft, verletzen sich gegenseitig, schleimen und kriechen, zerfetzen gegenseitig ihre mehr oder weniger zarten Seelchen, um schließlich herauszufinden, dass das mitgeschnittene Band nur als Vorspann für die Show eines gewissen Jochen dient, sie also missbraucht worden sind. Sie begehren zwar gegen die unsichtbare Macht des Medienregisseurs auf, doch ihre Verweigerung am Schluss ist halbherzig. Trotz des großen Betruges nehmen sie die kleine Gage, und gehen anschließend shoppen, statt der Firma wenigstens das Geschäft mit ihrer Authentizität zu verderben. So beschleicht einen das unangenehme Gefühl, dass die reale Ohnmacht noch viel größer ist als die in dieser Fiktion gefühlte. Lutz Hübner gelingt eine treffsichere, schlagharte, von Denglisch durchsetzte Sprache der angepasst betrogenen Jugendlichen, deren falscher Ehrgeiz sich im Spiel als lächerlich erweist und die Zustandsbeschreibung einer Welt voll bösartigem Lebenssurrogat mit grandios perfider Perfektion.

Lilly Marie Teetz: Susann Jehnichen
Maren Terbuyken: Juliane Egert
Petra Kowalski: Kristin Leopold
Off-Voice: Philipp Hölzel
Jochen: Benjamin Dreßler

Regie: Moutlak Osman
Gestaltung: Daniel Bahrmann
Technik: Ingolf Schrenk und Heiko Wolf
Maske: Marion Kolbe

Wir danken für die freundliche Unterstützung der Firma
„Kaiser´s Markthof“ für die Lieferung der Südfrüchte und
der Parfümerie Novita für das Make-up der Darstellerinnen.

Premiere war am 22.April 2004